
7. Die Rolle des Paten
Die Bitte, die Rolle des Paten oder der Patin bei der Taufe eines Kindes zu übernehmen, war einer der tiefsten Vertrauensbeweise der Eltern. Die Ablehnung dieser Bitte kam einer gesellschaftlichen und religiösen Verurteilung gleich. Die Anwesenheit des Vaters bei der Taufe war in der Vergangenheit nicht erforderlich, und die Mutter galt im Wochenbett als unrein. In dieser Situation brachte die Patin oder die Hebamme das Kind zur Taufe in die Kirche, und die Paten übernahmen die Verantwortung für das Kind. Während der Zeremonie hielt der Hauptpate das Neugeborene in den Armen, wodurch sie gemeinsam eine lebenslange Verpflichtung bekräftigten. Diese geistliche Verwandtschaft kam einer Blutsverwandtschaft gleich. Ein weiterer Pate trug eine Kerze, die symbolisch die Seele des Täuflings erleuchtete. Es war gängige Praxis, dass bei der Taufe eines Jungen ein Mann und bei der Taufe eines Mädchens eine Frau als Pate bzw. Patin gewählt wurde. Bei der Zeremonie erhielt das Kind vom Paten ein materielles Geschenk in das Steckkissen, meist eine Gold- oder Silbermünze.
Die Wahl des Paten erfüllte mehrere Anforderungen. Aus traditioneller religiöser Sicht half der Pate den Eltern bei der christlichen Erziehung des Kindes und war sein moralischer Kompass. In der Person des Paten hatte das heranwachsende Kind einen sicheren Hafen, besonders in der Zeit der Pubertät. Der Pate bot eine andere Lebensstrategie als die Eltern selbst. Er stand nicht an der vordersten Front der täglichen Erziehung und konnte daher Konflikte mit Abstand und Objektivität lösen. Aus praktischer Sicht war der Pate eine gesellschaftliche und materielle Garantie dafür, dass für das Kind bis zu seiner Volljährigkeit gesorgt war, falls die Eltern vorzeitig starben. Der Pate verpflichtete sich, dem verwaisten Patenkind Unterkunft, Verpflegung, eine Mitgift oder eine handwerkliche Ausbildung zu sichern.
Pate wurde ein praktizierender, erwachsener und geistig gesunder Katholik, der entweder aus der weiteren Familie des Täuflings stammte oder eine bekannte und gesellschaftlich bedeutende Persönlichkeit war. Sowohl wohlhabende als auch mittellose Menschen traten als Paten auf. Aus Gründen des gesellschaftlichen Prestiges wandten sich Eltern an reiche Bauern, Handwerker oder Vertreter der lokalen Selbstverwaltung (Ratsherren, Richter/Schulzen, Gutsherren und deren Ehefrauen).
Kateřina Schneiderová
