
3. Arten von Matriken
Die Matriken wurden von der Pfarrei geführt, zu der die jeweiligen Städte, Dörfer und Siedlungen gehörten. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts blieb es der Wahl jedes Pfarrers überlassen, in welchem Stil und in welcher Sprache er die Eintragungen vornahm. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Form der Matrikeleinträge durch eine staatliche Verordnung in eine einheitliche Gestalt gebracht. Beim Studium von Einträgen, die in Kurrentschrift und später in lateinischer Schrift verfasst wurden, begegnen wir auf dem Gebiet von Böhmen und Mähren der lateinischen, tschechischen und deutschen Sprache.
Anfangs wurden Taufen, Trauungen und Beerdigungen in den Kirchenbüchern verzeichnet, und zwar alles zusammen in einem einzigen Buch. Später wandelten sich die Aufzeichnungen in Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken, die der besseren Übersichtlichkeit halber für die einzelnen Gemeinden getrennt geführt wurden. Aus den Daten in den Matriken können wir das Leben unseres Vorfahren, sein familiäres Umfeld, seinen sozialen Status, die Partner- und Berufswahl, die Anzahl und das Schicksal seiner Nachkommen und oft auch die Todesursache rekonstruieren.
Die Kirche kontrollierte dank der Matrikendaten den Verwandtschaftsgrad potenzieller Verlobter oder die Anzahl unehelicher Kinder. Für die Obrigkeit und die Behörden hingegen hatten die Aufzeichnungen eine Aussagekraft aus demografischer Sicht, wie etwa die Bevölkerungsentwicklung (Anzahl der Geburten und Sterbefälle) oder das sozioökonomische Niveau in der Region.
Kateřina Schneiderová
