Taufe eines Neugeborenen in der Kirche

5. Taufe

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden Geburtsmatriken als Taufmatriken geführt, da in sie nur das Taufdatum, nicht aber das Geburtsdatum eingetragen wurde. Das Taufritual als kirchliche Handlung hatte einen klar definierten Ablauf. Seine heutige Form etablierte sich in den böhmischen und mährischen Ländern nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Zeit der Rekatholisierung. Die Taufe wurde als ein Ritus verstanden, durch den der Mensch von der Erbsünde gereinigt, als Kind Gottes und als Nachfolger Christi aufgenommen wird. Die Taufe ist auch der erste Schritt zum Empfang weiterer Sakramente. Ein einheitliches Taufverfahren wurde sowohl bei ehelichen als auch bei unehelichen Kindern angewandt. Der Unterschied lag nur im Matrikeleintrag; bei unehelichen Kindern fehlte der Name des Vaters.

Der taufende Priester war für die ordnungsgemäße Durchführung der Zeremonie verantwortlich, die ausschließlich in der Kirche stattfand. Das Wesen der Taufe war erfüllt, wenn der Priester erklärte: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen“ und den Kopf des Täuflings mit Weihwasser besprengte. Die Pfarrer waren angewiesen, nur die Kinder von Eltern zu taufen, die zu ihrer Pfarrei gehörten und die sie gut kannten. Die Kirche wollte die vollständige Aufsicht über ihre „Schäfchen“ haben und kontrollierte auf diese Weise, dass nur Kinder von Eltern (sowie die Wahl der Paten) katholischen Glaubens getauft wurden.

Die Taufe musste innerhalb weniger Tage nach der Geburt des Kindes stattfinden. Besonders in Zeiten hoher Säuglingssterblichkeit bestand die Gefahr, dass das Kind ungetauft stirbt. In diesem Fall war es erlaubt, eine Nottaufe außerhalb der Kirche durchzuführen. War kein Priester erreichbar, konnte auch ein Laie (vorzugsweise ein Mann) und im äußersten Notfall eine Frau (meistens die Hebamme) das Taufritual vollziehen. Ihre Aufgabe war es, die vorgegebene Taufformel zu sprechen und Weihwasser zu verwenden, welches auch durch gewöhnliches Wasser ersetzt werden konnte. Hebammen wurden vom Pfarrer auf die Möglichkeit einer Nottaufe vorbereitet. Wenn ein so getauftes Kind in den folgenden Tagen am Leben blieb, wurde es für den vorgeschriebenen Taufakt in Anwesenheit eines Priesters in die Kirche gebracht. Ein ähnliches Verfahren galt auch für Findelkinder. Nach der formellen Zeremonie in der Kirche folgte das traditionelle Festmahl im Haus der Eltern des Kindes. Auch deshalb war der Sonntag ein beliebter Tag für Taufen.

Kateřina Schneiderová

PhDr. Kateřina Schneiderová, MBA
RS
Rodokmeny Schneider
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