Genetischer Chimärismus, DNA, Rodokmeny-Schneider

9. Chimärismus

Unter der Bezeichnung Chimäre versteht man einen Organismus, in dem sich zwei (oder mehr) Zellpopulationen mit unterschiedlicher DNA befinden. Der Name Chimäre stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnet ein sagenhaftes Ungeheuer, das aus Körperteilen von Löwe, Ziege und Schlange zusammengesetzt ist. Chimärismus verursacht Probleme in der juristischen und medizinischen Praxis (bei Vaterschafts- oder Mutterschaftstests) sowie in der Kriminalistik und forensischen Genetik.

Chimärismus ist ein seltenes genetisches Phänomen, das erst durch einen DNA-Test im Labor festgestellt werden kann. Das Ergebnis ist die Feststellung, dass Organe und Gewebe der getesteten Person eine unterschiedliche genetische Ausstattung in sich tragen. Zum Beispiel enthält das Blut der getesteten Person eine DNA, während die Haut oder die Fortpflanzungsorgane eine andere DNA aufweisen. Die meisten Menschen mit angeborenem Chimärismus wissen nichts von ihrer einzigartigen genetischen Ausstattung und leiden auch nicht unter gesundheitlichen Komplikationen. Äußerlich zeigt sich Chimärismus bei Lebewesen durch eine unterschiedliche Augenfarbe (zum Beispiel ist ein Auge blau und das andere grün) oder durch unterschiedlich pigmentierte Hautstreifen.

Es gibt drei Ursachen für die Entstehung von Chimärismus. Er entsteht entweder während der Schwangerschaft durch das Eindringen von fetalen Zellen in den Körper der Mutter, wo sie jahrzehntelang überleben können, oder umgekehrt durch den Übergang mütterlicher Zellen auf den Fötus. Eine weitere Möglichkeit für die Entstehung von Chimärismus tritt in der Frühphase der Schwangerschaft auf, wenn zwei Eizellen von zwei verschiedenen Spermien befruchtet werden und die Embryonen anschließend zu einem verschmelzen. Heutzutage kommt häufig der transplantationsbedingte (künstliche) Chimärismus vor. Ein Patient erhält blutbildende Zellen eines Spenders, und so zirkuliert für den Rest seines Lebens die Spender-DNA in seinem Blut, während die übrigen Gewebe im Körper seine eigene DNA aufweisen.

Kateřina Schneiderová

PhDr. Kateřina Schneiderová, MBA
RS
Rodokmeny Schneider
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